Meine Glücks-Story

Ich bin ein Pferdemensch - nach Arianes Definition bin ich einer

Ich konnte schon als Kind an keinem Pferd vorbeigehen ohne es zu streicheln und spürte immer eine tiefe, innere Verbindung, ohne zu wissen was das war. Als Mädchen wollte ich unbedingt ein Pferd – wie fast alle kleinen Mädchen, aber natürlich bekam ich keines.

Als Jugendliche ersparte ich mir dann einen 10stündigen Gruppen-Reitkurs, den ein Sportgeschäft anbot. Ich kam mir fremd vor in diesem Stall mit meinen Jeans und Turnschuhen, arrogant ignoriert von diesen gestiefelten, reitberockten, hochnäsigen Pferdebesitzern. Das hab ich auf Dauer nicht ausgehalten und gab das Reiten wieder auf.

Danach kam meine Ausbildung, Beruf usw. - meine Liebe zu Pferden blieb, aber irgendwie hatten Pferde keinen Platz in meinem Leben - vielmehr - ich räumte ihnen keinen Platz mehr ein in meinem Leben. Jetzt, 40 Jahre später, frage ich mich, warum ich keinen Beruf gewählt habe, der mit Pferden zu tun hat.

dann kam das Westernreiten ...

Später, mit Mitte 30, kam ich mit dem Westernreiten in Berührung. Der lockere Umgang mit Mensch und Pferd sprach mich an. Ich ritt regelmäßig am Wochenende aus, wir machten 4 Stunden Ritte in der Gruppe, teilweise sehr undiszipliniert und im Nachhinein betrachtet, war das, was wir da gemeinsam angestellt haben,  unverantwortlich fahrlässig. Aber es war ein großartiger Spaß, und ich dachte nach einiger Zeit, ich könne ziemlich gut reiten.

Bei aller Liebe zu den Pferden – richtig verstanden, was ein Pferd eigentlich ist und was wohl in ihm vorgeht, habe ich zu jener Zeit noch nicht. Aus persönlichen Gründen musste ich das Reiten dann dort erst mal aufgeben, und viele Jahre hatte ich überhaupt keinen Kontakt mehr.

Dann lernte ich jemanden kennen, der berittenes Bogenschießen machte, davon hatte ich noch nie etwas gehört und war sofort fasziniert. Das wollte ich auch machen! Der erste Teil dieser Ausbildung beinhaltete die Grundlagen des Natural Horsemanship, was mir auch noch unbekannt war.

Ich fing an, mich mit Literatur zu diesem Thema zu beschäftigen … was habe ich da alles gelesen; Monty Roberts, Branagan, Rashid, Gawani Ponyboy, Parelli ... alles sehr interessant, aber irgendwas fehlte mir, ich wusste nur nicht, was das war.

aber irgendwas fehlte mir ...

Dann kamen mir die Bücher von Ariane und Edwin in die Finger, und ich wusste plötzlich – das war es gewesen; Horsemanship mit diesem spirituellen Ansatz, danach hatte ich gesucht.

Ich meldete mich sofort für zwei Wochen an und im Sommer 2013 nahm ich am Bodenkurs teil und anschließend auch am Sattelkurs. Das waren zwei unglaubliche Wochen!

Ich lernte die unterschiedlichsten Menschen kennen, alle verbunden durch den Wunsch, Pferde besser kennen zu lernen. Die Atmosphäre, die Umgebung, das Schlafen in den Hütten ohne Licht und Strom, die Schwärme von Glühwürmchen in der Nacht – unvergesslich.

Dennoch, es waren keine leichten Wochen, die da vor mir lagen.Am ersten Abend gab es eine Kennenlernrunde, und dabei entschieden Ariane und Edwin wohl schon, welches Pferd man für den Kurs bekommen würde. Ich muss mal fragen, weshalb sie mir Gitano zuteilten.

Mein AsvaNara-Pferd Gitano

Gitano – mein Lehrmeister, den ich so lange so falsch verstanden habe. Gitano, dominant und stur und ich, voller Liebe und sanft und ohne Durchsetzungskraft. Ich glaube, ich habe mir die Frage soeben selbst beantwortet!

Die Woche am Boden ging trotz schwieriger Situationen ganz gut, aber in der Sattelwoche strafte er mich mit absoluter Respektlosigkeit. Er schickte mich durch Wechselbäder von Hilflosigkeit und Wut, Verzweiflung, Lachen über mich selbst und Schuldgefühle, wenn ich ihn meine Wut spüren ließ. Und doch, über allem, meine unendliche Liebe. Und natürlich hat das Zusammensein in der Gruppe viel Spaß gemacht!

Der Abschied fiel mir nicht leicht und danach in mein „normales“ Leben ohne Pferd zurück zu gehen war schwer. Ich machte mich auf die Suche nach einem Reitstall, wo Horsemanship oder Westernreiten angeboten wurde, aber in meiner Gegend wurde ich zunächst nicht fündig. Also konnte ich nicht üben und der Wunsch, ein eigenes Pferd zu haben, wurde immer stärker, aber ich traute mir das nicht zu.

Meine Verhaltensweisen im Alltag haben sich verändert

Nach einigen Monaten merkte ich, dass sich mein Verhalten anderen Menschen gegenüber stark verändert hatte. Ich konnte mich besser abgrenzen, ließ mich nicht mehr in Spielchen und Intrigen verwickeln und konnte meine Anweisungen, die ich Untergebenen zu vermitteln hatte, auf freundliche und bestimmte Weise durchsetzen.

Das hatte Gitano mir beigebracht. Ich war an ihm gewachsen.

Nach einem Jahr zog es mich wieder nach Asvanara, und ich belegte nochmal die gleichen Kurse wie im Jahr zuvor. Wieder war es wunderschön dort, ein wenig verändert zwar - inzwischen gab es einen Pavillon für das tägliche Pow-Wow und Ariane nahm nicht mehr an den Kursen teil, da sie anderweitig beschäftigt war.

Ich hatte mir auf der Fahrt dorthin immer wieder überlegt, ob ich mir wünschen sollte, wieder mit Gitano zusammen zu sein oder nicht. Ich war gespannt, was auf mich zukam. Beim ersten Pow-Wow erzählte ich das, und Edwin überließ mir die Entscheidung. Ich entschied mich für Gitano, und wie sich herausstellte, musste er erst von der Weide geholt werden, denn Edwin hatte ein anderes Pferd für mich vorgesehen. Dennoch, ich blieb bei meiner Entscheidung, denn ich wollte feststellen, wie sehr ich mich verändert hatte.

Ehrlich gesagt, kann ich mich an Einzelheiten dieser folgenden zwei Wochen kaum erinnern. Es war wohl immer noch schwierig mit Gitano und in mir setzte sich der Gedanke fest: „Ich muss lernen stark zu sein!“ Dieser Gedanke kam mir immer wieder und aufgrund dieses Gedankens traf ich eine gravierende Entscheidung mit schlimmen Folgen … ich kaufte mir ein Pferd.

Jetzt kaufe ich mir ein Pferd

Ich versuchte, die Entscheidung nach den Kriterien zu treffen, die ich von Edwin vermittelt bekam. Was soll das Pferd können, wofür möchte ich es haben, wieviel kann ich ausgeben etc. und erst zum Schluss wie soll es aussehen.

Also, ich wollte ein geländesicheres Pferd, ein Verlasspferd, Offenstallhaltung, möglichst einen Criollo, die mochte ich früher schon. Ich durchsuchte die gängigen Internetplattformen, sah Chamamé und verliebte mich. Dahin waren alle vernünftigen Gedanken und im Nachhinein erst sah ich alle Anzeichen die mich hätten warnen müssen.

Chamamé war nicht nur dominant, er kam aus argentinischer Haltung, war in Italien geboren, schlecht behandelt und ich wollte ihn retten. Ich möchte hier keine Einzelheiten dieser traurigen Geschichte erzählen. Chamamé hatte so viel Groll auf die Menschheit in sich, und dieser Groll ergoss sich auf mich, weil ich von Anfang an nicht in der Lage war mich durchzusetzen, ihm seine Grenzen zu zeigen und seinen Respekt und Vertrauen zu gewinnen.

es dauert jedoch nicht lange ...

Nach einigen Monaten hatte ich so viel Angst vor ihm und er war vor lauter Unsicherheit so aggressiv, dass er auf mich losging sobald ich mich nur umdrehte. Er biss mich, trat nach mir und nahm mir all meine Lebenskraft, sodass ich abends nach der Arbeit gar nicht mehr zu ihm in den Stall gehen mochte.

Gleichzeitig hatte ich wieder das schlechte Gewissen und das Gefühl versagt zu haben. Ich hatte fürchterliche Wochen hinter mir, bis ich letztendlich die Entscheidung traf, mich von ihm zu trennen. Parallel dazu hatte ich herausgefunden, dass die Papiere nicht in Ordnung waren, dass seine Abstammung nicht korrekt wiedergegeben wurde, sodass der Vorbesitzer ihn freiwillig zurück nahm.

Ich hätte Chamamé nicht guten Gewissens an jemand anderen weiterverkaufen können. Jetzt, nach einem Jahr, kommen mir immer noch die Tränen, wenn ich an ihn denke. Ich hoffe, er findet einen Menschen der zu ihm passt und der ihm Sicherheit geben kann.

Was habe ich daraus gelernt?

Was ich daraus gelernt habe und was Gitano mir beibringen wollte ist, dass ich nicht so stark sein muss wie ich dachte. Dass ich nicht stärker sein muss als ich sein kann. Durch diesen überhöhten Anspruch an mich verursache ich nur Leid bei mir und bei andern. Ich bin so stark wie ich eben bin, und das ist auch in Ordnung so. Für diese Erkenntnis bin ich ungeheuer dankbar. Pferde können einen so viel lehren, aber man muss auch richtig hinsehen und verstehen.

Nachdem Chamamé nicht mehr da war, machte ich mich auf die Suche nach dem passenden Pferd für mich. Auf dieser Suche hatte ich einen schweren Reitunfall. Ich erinnere mich an Edwins Aussage, dass seine Reitunfälle immer dann passiert sind, wenn er nicht auf seine innere Stimme gehört hatte.

Bei mir war es genauso. Anscheinend genügt es mir nicht, so etwas zu hören, ich muss es immer selbst durchleben. Ich wollte eigentlich nicht aufsteigen. Das Pferd sah anders aus als auf den Fotos im Internet. Die Leute waren unsympathisch und nicht wirklich vertrauenswürdig. Aber ich war weit gefahren, meine Begleiter hatten sich extra für mich Zeit genommen, also was soll‘s – ich bin aufgestiegen trotz des schlechten Bauchgefühls.

... und dann der Unfall

Es konnte nicht gut gehen – das Pferd ging durch, kaum dass ich im Sattel saß. Die Steigbügel zu lang, ich überrascht und in Panik. Kein Gedanke mehr an laterale Biegung – nur noch der Gedanke, nicht herunter zu fallen. Nach drei Runden steuerte das Pferd geradewegs im Highspeed auf die Bande zu – da ließ ich mich fallen, so gut es eben ging. Naja, letztendlich musste ich nach einigen Monaten voller Schmerzen an der Wirbelsäule operiert werden und der Schaden ist nicht wirklich wieder zu beheben.

Aber wenn das der Preis ist den ich zahlen muss um letztendlich mein, MEIN Pferd gefunden zu haben, dann will ich ihn gerne zahlen. Seit etwa einem Jahr ist JANE bei mir, eine kleine Tinkerstute, 8 Jahre. Als sie zu mir kam, war sie todkrank. Sie hat PSSM, hatte letztes Jahr eine Futterrehe, weil sie mit Hafer überfüttert wurde und ein Sommerekzem. Sie war vier Jahre im Schulbetrieb unter Kindern immer im Kreis gelaufen und hatte ihr Leben satt.

Endlich gefunden

Jetzt lebt sie hier auf einer kleinen Ranch, wird ganz karg gehalten – nur Heu und ein wenig Mineralfutter, nichts das Zucker enthält. Steffi, die Trainerin, unterrichtet die altkalifonische Reitweise und wir haben aus einem stumpfgerittenen halbtoten Pferd ein richtig gutes kleines Westernpferd gemacht.

 Jane lebt glücklich in der Herde, ist symptomfrei und eine kleine Diva. Auch sie stellt mich immer wieder in Frage, aber auf freundliche Weise, und ihr kann ich standhalten. Wir sehen uns jeden Tag und genießen die Ausritte in die Natur miteinander.

Inzwischen habe ich Arianes Donna Divina Retreat besucht. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Dadurch habe ich endlich den Mut gefunden in meinem Alter von 58 Jahren nochmal berufsbegleitend eine Ausbildung anzufangen.

Ich mache eine Ausbildung zur Reittherapeutin und Therapiepferdetrainerin. Ich möchte mit Frauen und Pferden arbeiten – wir haben so vieles gemeinsam.

Ich bin glücklich und unendlich dankbar. Ich danke Euch:

AsvaNara, Ariane, Edwin, Gitano & Jane

Petra Kast, 5. Juni 2016

Petra & Gitano in AsvaNara
mein Pferd Jane in Deutschland
die ersten Begegnungen
Liebe auf den zweiten Blick
bereit zum Ausreiten